1. Unverhofft kommt oft
Mittwoch, 7. Dezember 1988
Eigentlich ein ganz normaler Tag. Alles ist wie immer. Zu diesem Zeitpunkt
bin ich 28 Jahre alt und arbeite in einer großen Firma in der Nähe
des Köln-Bonner Flughafens. Dort bin ich angestellt als
Projektsekretärin im Bereich Einkauf. Meine Aufgabe ist die Koordination
von Lieferanten und diversen Auslandsabteilungen. Nach Abitur und einer
kaufmännischen Ausbildung glaube ich hier meinen Traumjob gefunden zu
haben, vor allen Dingen, da mein Chef mir einen längeren Auslandsaufenthalt
in Aussicht gestellt hat. Mein größter Wunsch könnte damit
in Erfüllung gehen.
Mit meiner Kollegin Ursula habe ich mich ein wenig angefreundet, und wann
immer es uns möglich ist, verbringen wir unsere Mittagspause gemeinsame
Auch heute ist das nicht anders. Es ist Punkt zwölf Uhr, als wir unsere
Büros verlassen und uns auf den Weg in die Kantine machen. Es gibt
Grünkohl mit Mettwurst, ich erinnere mich genau daran, eines der wenigen
Gerichte, die ich als Spezialität des Hauses bezeichnen möchte
und die bei allen Mitarbeitern sehr beliebt ist.
Nachdem wir das übliche Anstellen hinter uns haben, suchen wir uns einen Platz. Ich habe gerade die ersten Bissen verspeist, da ist es da. Plötzlich ist mir, als ob ein kleines grünes Männchen neben mir auf dem Boden sitzt und mich mit Gewalt von meinem Stuhl zerren will. Ich bekomme Herzklopfen, Schweißausbrüche, einen unwahrscheinlichen Schwindelanfall und begreife nicht, was mit mir los ist. Aus meiner Erinnerung heraus möchte ich behaupten, dass ich geradezu schräg auf meinem Stuhl hing, denn es zieht mich mit unwahrscheinlicher Gewalt nach rechts weg. Kurz bevor ich das Gefühl habe, endgültig zu Boden zu stürzen, hört es genauso plötzlich auf, wie es begann und ich kann mich wieder in die Senkrechte retten. Danach kann ich nur noch fluchtartig den Raum verlassen und mich an der frischen Luft in Sicherheit bringen. Mein Tablett mit dem Essen, auf das ich mich so gefreut hatte, bleibt auf dem Tisch zurück. Meine Kollegin starrt mir fassungslos hinterher.
Draußen fühle ich mich etwas wohler. Ein komisches Gefühl, das ich nicht näher definieren kann, bleibt dennoch zurück. Irgendwie bin ich noch immer reichlich unsicher auf den Beinen und fühle mich sehr schwach. Ich marschiere unruhig einen Weg auf und ab. Es will mir einfach nicht in den Kopf, was das gewesen sein soll.
Ein Kollege ruft mir aus einem Fenster zu: "Was ist denn los?" Und ich antworte ihm: "Ach, ich habe wohl Probleme mit dem Kreislauf." Was denn sonst. Schließlich kann ich mir selbst nicht erklären, was es ist. Auch wenn ich zu einem zu niedrigen Blutdruck tendiere, ist mir so was noch nie passiert. Einen leichten Schwindel verspüre ich gelegentlich, wenn ich zu schnell aufstehe, aber hier habe ich immerhin ruhig an meinem Platz gesessen. Ob es am Wetter liegt? Eigentlich ist es viel zu warm für Dezember. Aber so plötzlich? Kurz davor war noch alles in Ordnung.
Dort auf dem Hof bleibe ich eine ganze Weile. Ich denke, wenn du jetzt wieder rein gehst, kommt es wieder. Warum ich dieser Ansicht bin, weiß ich nicht, aber ich bin felsenfest davon überzeugt. Irgendwann, Ursula kommt schon, um sich nach mir zu erkundigen, traue ich mich doch wieder rein. Eigentlich bin ich jetzt wieder gut dabei, aber ein unbehagliches Gefühl bleibt dennoch zurück. Eine unerklärliche Unruhe erfüllt mich immer noch. Als diese auch weiterhin anhält, entschließe ich mich, an diesem Tag relativ früh nach Hause zu fahren, und hoffe, dass ich mich dann endgültig besser fühle.
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