Carmen, 21 Jahre alt

 

Schon im Alter von 16 Jahren bekommt Carmen ihren ersten Angstanfall. Damals besucht sie die letzte Klasse der Realschule.

Immer öfter kämpft sie während des Unterrichts mit Atembeschwerden. Ihre beste Freundin, die in der Klasse neben ihr sitzt und Carmens Erstickungsanfälle miterlebt, äußert den Verdacht, daß es sich eventuell um Asthma handeln könnte. Das verunsichert Carmen noch mehr und als ihre Beschwerden und die damit verbundenen Angstgefühle immer stärker werden, ist es ihr nicht mehr möglich, die Schule zu besuchen.

Sie bleibt zu Hause. Inzwischen wird Carmen aber auch dort von diesen mysteriösen Anfällen heimgesucht, vor allem abends.

Gründliche Untersuchungen beim Hausarzt bleiben ohne Ergebnis. Carmen erfährt, daß sie organisch kerngesund ist. Die Panikerkrankung an sich wird jedoch nicht diagnostiziert. Aufgrund dessen sieht der Arzt keine Möglichkeit mehr, ein Attest für die Schule auszustellen. Carmen kehrt in ihre Klasse zurück.

Damit beginnt eine schwere Zeit für sie. Am Anfang kann sie nur kurz am Unterricht teilnehmen. Während der Stunden muß sie oftmals den Raum verlassen. Die Klassenlehrerin reagiert verständnisvoll, nachdem Carmen erklärt, mit welchen Schwierigkeiten sie zu kämpfen hat. Sie versucht sogar den Klassenkameraden die Problematik begreiflich zu machen.

Besonders überrascht ist Carmen von der Reaktion eines Lehrers. Dieser bietet ihr an, während seiner Stunden direkt am geöffneten Fenster zu sitzen. Außerdem gestattet er ihr, sein Auto als eine Art Zufluchtsort zu nutzen, falls es ihr besonders schlecht gehen sollte. Obwohl Carmen auf dieses Angebot nie eingeht, hat sie den Eindruck, daß der Lehrer genau weiß, wie sie sich mit ihren Ängsten fühlt.

Zu ihren Kameraden hat Carmen, bis auf wenige Ausnahmen, wegen ihrer großen Schüchternheit und Zurückhaltung kaum Kontakt. Aufgrund ihrer Angsterkrankung und dem Unverständnis Gleichaltriger für ihre Schwierigkeiten, verbringt sie eine eher untypische, vor allem sehr ruhige Jugend.

Die Busfahrten zur Schule sind eine einzige Qual. Während der etwa 30-minütigen Fahrten glaubt Carmen regelmäßig zu ersticken. Oftmals ist sie nervös und fühlt sich dermaßen unwohl, daß sie den Schulbus an irgendeiner Haltestelle verläßt, zu Hause anruft. Mutter oder Vater holen sie dann ab und bringen sie zurück noch Hause. Dort erst kann sie sich erholen. Versuche, sie zu einem späteren Zeitpunkt in die Schule zu bringen, scheitern und verschlimmern höchstens noch ihren Leidensdruck.

In dieser Situation ist es eigentlich kein Wunder, daß Carmen nur mit Mühe die Mittlere Reife schafft.

Kurz danach beginnt sie trotz ihrer Ängste eine Ausbildung zur Arzthelferin. Nach wenigen Wochen muß sie die Lehre abbrechen. Es ist ihr unmöglich, die Tage am Arbeitsplatz zu verbringen.

Heute berichtet sie aber auch darüber, daß die Tätigkeit in einer Arztpraxis sowieso nicht ihren Vorstellungen und Wünschen von ihrem zukünftigen Beruf entsprochen hätte. Lieber hätte sie einen Beruf ergriffen, der ihr ermöglichen würde, ihre Sprachkenntnisse zu nutzen oder ihre künstlerischen Neigungen zu befriedigen.

Kurze Zeit später beginnt Carmen eine Behandlung bei einer Kinder- und Jugendpsychologin, die klären soll, warum sie immer wieder Anfälle von Atemnot bekommt, warum sie sich kaum noch auf die Straße traut.

Die Therapie ist nicht von Erfolg gekrönt. Statt Carmen zu helfen, verunsichert die Psychologin sie unnötig.

. . . .

© 2001 Astrid Krüger
Ein Hinweis zum Urheberrecht: Sie sind herzlich eingeladen, meine Texte zu lesen. Zum privaten Gebrauch dürfen sie auch ausgedruckt, sowie Bekannten und Freuden zum Lesen gegeben werden.
Jegliche andere Verwendung, Veröffentlichungen, egal in welchem Medium oder der Verkauf, bedürfen allerdings meiner Zustimmung.


Dies ist ein Frame von www.astrid-krueger-medizin.de
Copyright © 2000 - 2012Astrid Krüger. Alle Rechte vorbehalten

eye-print