Buchbesprechung
Tasten auf dünnem Eis
RomanAutor: Linsi, Karin
Verlag: BoD
Jahr: 2004
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Tasten auf dünnem Eis - Roman
Mara leidet schon als Kind an hochgradiger Nervosität und Lampenfieber, vor jeder Art von öffentlichem Auftritt - sei es in der Schule beim Vorlesen oder später bei einem öffentlichen Vorspielen am Klavier. Damals bereits sind es die Vorstufen von Panikattacken und Angstzuständen, begleitet von Schlaflosigkeit, die Mara quälen, sobald ein solcher Termin auch nur in den Bereich des Möglichen gerät.
Doch leider verstehen die Erwachsenen um sie herum ihre Hilferufe nicht, so daß Mara, hochsensibel auch in anderen Bereichen, allein gelassen mit ihren Ängsten und Befürchtungen lebt, so lange bis diese sich zu ausgeprägten Panikattacken entwickeln, begleitet von Depressionen und einer immer bedenklich werdenden Eßstörung.
Aus diesem Grunde ist es Mara auch nicht möglich in ihrem ausgebildeten Beruf als Pianistin zu arbeiten, so daß sie einen weiteren ergreift, den der Korrektorin. Doch irgendwann scheitert sie auch hier und nicht nur das, darüber hinaus verliert sie auch die Beziehung zu ihrem Freund.
Das ist der Punkt, an dem Mara eine Klinik aufsucht und den Willen bekundet, dort in der Zeit von drei Monaten aus dem tiefen Tal ihrer gequälten Seele aufzustehen und in ein lebenswertes Leben zurückzufinden. Doch der Weg ist hart, die Therapie voller schmerzlicher Eindrücke, die Mara manches Mal verzweifeln lassen und den Gedanken nahe legen den Aufenthalt abzubrechen und in ihr einsames Leben zurückzukehren.
Sie hält jedoch durch, läßt langsam aber sicher Nähe zu und sucht bewußt den Kontakt zu ihren Mitpatienten und -patientinnen, die selbst diesen schweren Gang zu gehen haben. Zum Schluß ist Mara am Ende ihres Aufenthaltes angelangt, hat vieles gelernt und umsetzen können, doch noch steht ihr der Rückkehr in den Alltag bevor und es bleibt offen wie sie den meistern wird.
Der Roman "Tasten auf dünnem Eis" von Karin Linsi beschreibt den dreimonatigen Aufenthalt von Mara in der Klinik Dornhof mit vielen Rückblenden in die Kindheit und Jugend, in der die Entstehung ihrer heutigen Erkrankung verwurzelt ist.
Wir sehen die Verzweiflung der kleinen Mara, hochsensibel und perfektionisch und, wie sie glaubt, dem Alltag nicht gewachsen, so sehr, daß ihr das Leben immer mehr entgleitet und den Weg freimacht für Ängste, Depressionen und Eßstörungen.
Und wir sehen die erwachsene Mara in der Klinik, bei ihren Therapien, im Umgang mit den anderen. Wir erleben wie sie wieder Mut faßt und sich ihr Schicksal langsam aber sicher zum Guten wendet.
Fazit: Ein Buch nicht nur für Betroffene, sondern auch für deren Angehörige und Therapeuten geeignet, die in einer unglaublichen Intensität erfahren wollen wie Patienten mit Angst-, Eßstörungen und Depressionen denken, sich fühlen und handeln. Es ruft auf zu mehr Verständnis untereinander und weist daraufhin schon kleinste Anzeichen in Jugend und Kindheit zu beachten, so daß solch ernstzunehmende Störungen, frühzeitig behandelt, erst gar nicht zu solch dramatischen Folgen führen können.
(c) Astrid Krüger
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