PANIK - CHANCE FÜR EINEN NEUBEGINN?
Heute kann ich diese Frage mit einem "Ja" beantworten. Obwohl es lange so
aussah, als ob ich diese mysteriöse Krankheit nie besiegen
würde.
Plötzlich und unerwartet trat sie vor mehr als sieben Jahren in mein
Leben und beschlagnahmte mich vollkommen. Einen Namen bekamen meine Beschwerden
sehr schnell, aber den Zusammenhang zwischen Herzrasen,
Schweißausbrüchen, Schwindelanfällen, Atemnot, dem Gefühl
einer drohenden Ohnmacht oder gar des plötzlichen Todes und dem Begriff.
"Panik" wußte ich einfach nicht zu erfassen.
Ärzte und Neurologen erwiesen sich dabei als wenig hilfreich. Zwar begann
ich schon kurze Zeit später mit meiner ersten Psychotherapie, aber was
nutzte diese, wenn ärztlicherseits nicht einmal der geringste Versuch
unternommen wurde, mir meine Beschwerden begreiflich zu machen.
Statt dessen begann die fanatische Suche nach der möglichen Ursache.
Von Vergewaltigung, einem prügelnden Elternhaus oder alkoholbedingten
Problemen war die Rede. Jedoch verlief mein Leben bis dato völlig normal,
und alle diese möglichen Auslöser für Panik kamen für
mich nicht in Frage. Daraufhin behauptete der Arzt einfach, dass ich nicht
bereit wäre, zuzugeben, welches denn nun letztlich mein persönliches
Problem wäre.
Über diese Unterstellung war ich geradezu entsetzt" schließlich
war immer noch ich die Kranke und besonders an einer Klärung der ganzen
Angelegenheit interessiert.
Der "Erfolg" dieser mehr als merkwürdigen Therapie ließ nicht
lange auf sich warten. Nach einem halben Jahr war ich fix und fertig. Eine
zweite und auch dritte Psychotherapie folgten. Immer wieder bohrende Fragen,
immer wieder die Behauptung, ich würde ein Geheimnis verbergen.
Nach zweieinhalb Jahren konnte ich dann erstmalig wieder arbeiten gehen. Ein kleiner Erfolg zumindest schien sich langsam einzustellen. Doch ich wurde wieder krank. Diesmal mit einer Arthritis im Rücken. Statt diese aber eindeutig zu diagnostizieren, machten die Ärzte daraus einfach eine Variante der Panik. Noch heule kämpfe ich dafür, als Panikpatient auch das Recht auf eine weitere Krankheit zu haben.
Immer und immer wieder bekam ich neue Panikschübe, warum und weshalb, diese Frage blieb mehr als fünf Jahre ungeklärt.
Da endlich kam die Lösung in Sicht. Mein Onkel brachte mir eines Tages einen Zeitungsartikel mit, der den Zusammenhang zwischen Panikanfällen und Unfällen zur Sprache brachte. Schlagartig dämmerte mir, wo denn wohl meine eigene Panik herrührte. Mit dem Wissen. dass auch Unfälle zu Panikanfällen führen können, wurde der Ausstieg aus dem ständigen Gefühl der Angst für mich deutlich einfacher.
Endlich entschloss ich mich, meinem Leben völlig neue Impulse zu geben. Die Trennung von meinem Freund war ein Schritt hierzu. Außerdem machte ich einen Urlaub. Plötzlich erkannte ich, wieviel schöne Dinge es im Leben außerhalb der Panik noch gibt und wie ich diese gezielt gegen einen drohenden Anfall einsetzen kann.
Außerdem begann ich, trotz aller Misserfolge. noch eine weitere
Psychotherapie bei einem endlich fähigen Psychologen, der es schaffte,
mich in die richtige Bahn zu lenken, mich immer wieder bei allen Bemühungen
zu unterstützen, meine Aufmerksamkeit weg von der Panik zu lenken. Heute
bin ich wieder in der Lage, ein eigenständiges Leben zu führen.
Ganz beschwerdefrei werde ich wohl nie wieder sein, aber ich habe gelernt,
die Panik als Bestandteil in meinem Leben aufzunehmen, aber dennoch nicht
zuzulassen. dass sie mich zu sehr einschränkt.
Astrid Krüger
(gekürzt)
Die Autorin hat über ihre Erfahrungen mit Ärzten, Therapeuten, Behörden und Krankenkassen ein offenes und spannendes Buch geschrieben:
Astrid Krüger:
Panik - Chance für einen Neubeginn?
Neuauflage
BoD, Norderstedt, 2002
EUR 13,50
© daz - Deutsche Angst-Zeitschrift
DASH
Bayerstraße 77a
80335 München
(c) Astrid Krüger
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