Astrid Krüger
Interview mit Christina zum Thema psychischologische Online-Therapie
Welcher Art sind die psychischen Probleme unter denen Sie leiden?
Ich kämpfe mit Minderwertigkeitsgefühlen sowie Ängsten, wenn ich alleine bin.
Haben Sie bereits Erfahrung mit herkömmlichen Therapieformen?
Ja. Ich habe im April 2000 eine stationäre Psychotherapie begonnen, die ich im August des selben Jahres abgeschlossen habe. Und seitdem habe ich auch meine Ängste, wenn ich alleine bin.
Generell muß ich jedoch sagen, daß mir die Therapie sehr geholfen hat und ich auch viel verarbeiten konnte. Anscheinend sind aber ein paar Wunden offen geblieben und ich habe dadurch die Ängste entwickelt bzw. sie sind dadurch wieder an die Oberfläche gekommen. Ich kann mich noch erinnern, daß ich als Kind sehr darunter gelitten habe, Einzelkind zu sein, und mich dadurch sehr alleine gefühlt habe.
Wie kamen Sie auf die Idee sich per Internet "behandeln" zu lassen?
Unter "normalen" Umständen wäre ich sicherlich nicht auf diese Idee gekommen oder hätte diese Form von Therapie gewählt. Ich bin jedoch im November nach Holland ausgewandert und die Anfangszeit war wirklich sehr hart für mich, da ich die Sprache nicht sprechen konnte. Somit habe ich mir auch keinen persönlichen Therapeuten gesucht.
Da ich aber die Ängste hatte bzw. noch ein bißchen habe, habe ich ihm Net gestöbert, bei http://www.wer-weiss-was.de Experten zum Thema Angst angeschrieben, meine Situation geschildert und gefragt, was ich als Überbrückung machen kann. Dabei bin ich auf eine Psychologin gestoßen, die eine Online-Therapie anbietet.
Wie läuft eine solche Therapie ab?
Ich würde sagen, das ist individuell verschieden. Einer braucht mehr Austausch mit dem Therapeuten, ein anderer weniger. Am Anfang waren es sehr ausführliche Mails, um der Therapeutin soviel Infos über mich zu geben, wie für sie wichtig waren.
Als sie sich ein Bild von mir gemacht hatte, gab sie mir Hilfestellungen wie Kurzentspannungsübungen oder den Tip, ich solle mir ein Buch anlegen, in dem ich alles aufliste, was ich schon in meinem Leben erreicht habe und mir das täglich durchlesen, damit mein Selbstwertgefühl bzw. mein Selbstbewußtsein wieder steigt.
Haben Sie den Eindruck, daß Ihnen die Behandlung hilft?
Ja, auf jeden Fall. Meine Therapeutin ist wirklich sehr einfühlsam und, wie ich meine, sehr qualifiziert.
Welche Vorteile bzw. Nachteile bestehen hier gegenüber einer herkömmlichen Therapie?
Ein Vorteil ist z.B. der, wenn man nicht aus dem Haus kann oder sich irgendwo befindet, wo man keine Anlaufstelle für Therapien hat, dann kann man sich dennoch per Internet bzw. durch Mails helfen lassen. Oder aber in dem Fall, wenn man anonym bleiben möchte, aus welchen Gründen auch immer, z.B. bei so schlimmen Erlebnissen, bei denen man sich nicht traut, sie seinem Gegenüber zu erzählen, weil man sich fälschlicherweise schämt. Und dieser falsche Scham kann bsp. während einer Online-Therapie abgebaut oder verringert werden.
Ich glaube, daß es für manche Menschen wirklich eine sehr gute Hilfestellung sein kann. Auch kann man Mails zu jeder Tages- und Nachtzeit schreiben, zu der Zeit eben, zu der man das Problem hat. Und man erhält dann auch eine Antwort.
Bei einem persönlichen Therapeuten ist das schwierig, wenn man z.B. pro Woche eine Sitzung hat, dann hat man oftmals bis zur nächsten entweder das Problem dieser spezifischen Situation wieder vergessen oder so oft darüber nachgedacht, daß man selbst das Problem schon wieder gedanklich verändert hat und somit nicht die eigentliche Situation wiedergeben kann. Manchmal hilft es schon, wenn man die Probleme/Ängste in Worte fassen und sie sich im wahrsten Sinne des Wortes von der Seele schreiben kann.
Hilfreich würde ich es auch finden, wenn der eigene Therapeut, mit dem man persönlichen Kontakt hat, so etwas zusätzlich anbieten würde. Notwendig fände ich nur, daß einmal eine Website mit qualifizierten Therapeuten erstellt wird, die so etwas anbieten. Es ist sicherlich ein Nachteil, daß es eine solche nicht gibt und sich jeder als Therapeut ausgeben kann.
Sicherlich gibt es auch praktisch einige Nachteile einer solchen Therapieform, bsp. wenn man sich wünscht, daß der Therapeut einem die Hand hält, während man seine schlimmsten Gefühle an die Oberfläche holt. Oder eine Art von Körpertherapie vonnöten ist, wobei der Therapeut daran beteiligt ist. Das wird per Mail sicherlich nicht möglich sein.
Ja und auch die Bezahlung ist ein Problem. So etwas ist meines Wissens nach bei den Krankenkassen nicht anerkannt. Wichtig finde ich die Frage, ob der Online-Therapeut auch Menschen Hilfen anbietet, die finanziell nicht so gut bis schlecht dastehen.
Wie teuer ist diese Behandlung und gibt es Erstattungsmöglichkeiten durch die Krankenkasse?
Wie oben bereits geschrieben, kann ich darüber keine Auskunft geben, da es sich meinem Wissen entzieht. Aber in meinem Falle hat mir die Therapeutin kostenlose Beratungen angeboten, nachdem ich ihr meine Situation geschildert habe. Ich glaube, ein Richtbetrag wären ca. 50,-- DM. Ich weiß es aber nicht mehr genau.
Danke für das Interview.
(c) Astrid Krüger
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