Astrid Krüger

Interview mit Alexa Nietfeld, Betreiberin der Homepage www.verliebt-verlobt-vergiftet.de zum Thema Vergiftungen (CFS (Chronisches Müdigkeitssyndrom) nach vorangegangener Pyrethroidintoxikation und Polyneuropathie). Sie schrieb ein Buch über ihre Erfahrungen mit dieser Erkrankung.

Alexa Nietfeld, 1971 in Bremervörde geboren, arbeitet nach ihrem Schulabschluß in einer Druckerei. Ihr Leben verläuft in geregelten Bahnen, sie lernt ihren Traummann kennen und beabsichtigt, ihn zu heiraten.

Doch der Tag, der der schönste in ihrem Leben werden soll, verläuft anders, als sie es sich vorgestellt hat. Sie kann die Trauung nur im Rollstuhl verfolgen. Denn kurz zuvor erkrankt sie an einem mysteriösen Leiden, das vor allem die Schulmedizin lange Zeit vor ein Rätsel stellt.

Erst ein Arzt für Naturheilkunde ist in der Lage zu diagnostizieren, woran Alexa Nietfeld leidet - einer Vergiftung. Und er ist es letztlich auch, der ihr auf den Weg der Gesundung hilft. Der ist lang und mit vielen Rückschlägen behaftet, doch Alexa hat einen eisernen Willen und die Energie diesen Weg zu beschreiten.

Heute geht es Alexa Nietfeld deutlich besser, wenn auch immer noch einmal die Gefahr eines Rückschlages besteht. Sie hat eine Ausbildung zur Heilpraktikerin gemacht und strebt an, sich in Kürze in eigener Praxis niederzulassen.

Wie verlief Ihr Leben, bevor es zu den tragischen Umständen kam?

Meine Kindheit und Jugend verbrachte ich in normalen, geordneten Verhältnissen; wie man das so schön nennt. Mein Vater ist Maurer von Beruf, meine Mutter Hausfrau. Sie bauten schon früh ein eigenes Haus.

Als Kind hielt ich mich viel bei einem alten Drogisten (heute Apotheker genannt) auf. Er hatte einen sehr alten, heruntergekommenen Bauernhof, auf dem man sich so richtig schön austoben konnte. Die meiste Zeit habe ich dort verbracht.

Der Drogist zeigte mir die Natur, erklärte mir Pflanzen, erzählte mir etwas über das Leben und die Tierwelt. Bei ihm habe ich viel gelernt. Dieser Mann war hochintelligent und lebte nach dem Scheitern seiner Ehe ein Einsiedlerleben. Die Tiere und die Kinder waren sein Leben - fremde Kinder - denn sie würden ihn niemals enttäuschen, meinte er damals zu mir.

Schon mit drei, vier Jahren lehrte er mich zu schreiben, zu lesen, zu rechnen, ja sogar ein paar englische Wörter konnte ich da schon. Mein Wissensdurst war unendlich. Am liebsten war es mir, wenn er mit mir über die Unendlichkeit des Universums philosophierte. Dann saß ich auf seinem Schoß und er erklärte mir, daß unser Leben nur ein Atemzug sei, im Gegensatz zum Alter des Weltalls. Und daß die Menschen sich irgendwann selbst zerstören und dann alles von vorne beginnt. Wir werden wieder in Höhlen leben.

Damals, ca. 1976, war ich vielleicht fünf Jahre alt, doch ich verstand genau, wovon er redete. Nie werde ich vergessen, wenn er sagte: "Wenn ich mal nicht mehr da bin, dann denk an meine Worte...". Und ich denke an sie - jeden Tag. Dieser Mann hat mich sehr geprägt. "Mädchen", sagte er immer, "werde Krankenschwester. Du kannst das!".

Mit sechs war ich allen anderen weit voraus. Als ich zur Schule kam, konnte ich schon alles. Die anderen Kinder lernten bis zehn zu zählen und ich konnte bereits mit Millionen rechnen. Das war für mich alles ganz einfach, denn dahinter steckte ein Prinzip, das ich von dem Drogisten gelernt hatte. Auch das Schreiben und Lesen war für mich ein Leichtes.

Die Zeit in der Schule wurde mir langweilig und ich schaute immer nur aus dem Fenster. Das wiederum brachte mir nur Ärger ein, denn meine Klassenlehrerin hielt es für Desinteresse. Zu Hause widmete ich mich dann wieder meinen eigentlichen Interessensgebieten. Meine Mitschüler hänselten mich jeden Tag, weil ich anders war als sie. Es paßte ihnen nicht, daß ich so viel wußte, denke ich. Für mich war meine Schulzeit bis zur achten Klasse die Hölle auf Erden. Aus Angst zog ich mich von allem zurück. Mein Selbstbewußtsein war auf dem Nullpunkt und kehrte erst ab der neunten Klasse Hauptschule langsam zurück.

Diesen Abschnitt meines Lebens habe ich deshalb aufgeführt, weil er mich noch heute beschäftigt. Was wäre aus mir geworden, wenn man mein Talent gefördert hätte, so wie es heute üblich ist? Heute werden talentierte Kinder gefördert und in spezialisierte Schulen geschickt. Mir sagte man damals nur Faulheit und Desinteresse nach. Wo wäre ich heute, wenn meine Lehrer mich ernst genommen hätten? Es gab später einmal einige wenige Lehrer, die meinten, wenn ich mal einen Intelligenztest mitmachen würde, käme bei mir mit Sicherheit der höchste Quotient der ganzen Schule heraus. Sie meinten, ich hätte auf das Gymnasium gehen können. Damals glaubte ich nicht daran.

Als ich elf Jahre alt war, verstarb mein Großvater und kurz darauf bekam meine Mutter meinen Bruder Christian. Zum gleichen Zeitpunkt erkrankte meine Mutter schwer an einer Krankheit, die erst nach einem Jahr diagnostiziert werden konnte. 1983 stand dann die Diagnose endlich fest: Lupus erythematodes.

Für mich brach eine schwere Zeit an, in der ich viel allein war oder mich um meinen Bruder kümmern mußte. Durch die Krankheit meiner Mutter geriet das normale Familienleben aus den Fugen. Meine Großmutter half uns, wo sie nur konnte. In der Schule ließen meine Leistungen nach. Sie waren ohnehin schon jedes Jahr schlechter geworden, auch ohne die Erkrankung meiner Mutter. Ich hatte immer meine eigenen Interessen.

Damals flüchtete ich mich viel in Tagträumereien oder schlief, damit ich nicht so viel vom Leben "draußen" mitbekam. Das änderte sich jedoch, als ich mich in meinen jetzigen Mann verliebte. Ich war nur noch glücklich. Alles sollte sich von da an ändern.

Waren Sie glücklich in diesem Leben?

Eher nicht, würde ich sagen. Die glücklichste Zeit erlebte ich in den gemeinsamen Stunden mit dem Drogisten. Er starb 1990 im Alter von 81 Jahren an einer Hirnblutung. Kurz vor seinem Tod sagte er wieder seinen Spruch: "Ich bin der Dr. Eisenbart, kurier' die Leut` auf meine Art". In seinem letzten lichten Moment erkannte er mich an seinem Sterbebett und lächelte mich an: "Meine Lexa". Dann starb er.

Darauf folgte die Zeit mit meinem Mann und mein Leben schien erst jetzt richtig anzufangen. So glücklich war ich noch nie zuvor. Meine Erkrankung sollte dann plötzlich wieder alles ändern.

Haben Sie sich einmal Gedanken darüber gemacht, daß sich das je ändern könnte?

Eine Veränderung meiner Umstände hatte ich mir immer gewünscht. Aber ich hätte niemals gedacht, daß mich einmal eine so schwere Erkrankung treffen könnte, die mein ganzes Leben dermaßen über den Haufen wirft.

Im Gegenteil - mit dem Auszug aus dem Elternhaus sollte sich für mich alles ändern. Ich wollte ein komplett neues Leben beginnen. Eines, wie ich es mir vorgestellt hatte. Für die Zukunft hatte ich so viele Pläne. Nichts Besonderes eigentlich. Es waren Wünsche, so zu leben wie jeder andere auch. Mein Leben wünschte ich mir damals genau so, wie es alle führten. Ein spießiges Leben mit Mann, eigenem Haus, Garten, Kindern und einem großen Auto.

Was passierte dann?

Unser Kater, den mein zukünftiger Mann und ich uns zugelegt hatten, bekam Flöhe, die ich mit einem Insektenvernichtungsmittel bekämpfte. Nach diesem Sprüheinsatz häuften sich bei mir gesundheitliche Probleme, die kein Arzt einzuordnen wußte. Unsere Beziehung wurde auf eine harte Probe gestellt, denn es war für meinen Verlobten nicht einfach, mit einer Frau zusammenzuleben, die ständig kränkelt. Mir war ja selbst nicht wohl dabei. Ständig hatte ich wieder etwas neues, bis die Situation dann 1994 eskalierte und mich am schönsten Tag meines Lebens in den Rollstuhl zwang.

Über welche Krankheitssymptome klagten Sie?

Alles fing ganz langsam an. 1992, nach meinem ersten Sprüheinsatz, bekam ich schlecht Luft, konnte schlecht schlafen, Durchfälle quälten mich, und nachts schwitzte ich ganz schrecklich, was nicht nur allein auf meine Alpträume jede Nacht zurückzuführen war.

Anfang 1994 wurde es dann richtig schlimm. Meine Beine wollten mich langsam nicht mehr tragen und versagten immer öfter ihren Dienst. Ich hatte ein Schwächegefühl in den Beinen und dazu Krämpfe, bis es dann im August 1994 zur Lähmung der Beine kam. Dazu gesellten sich noch viele andere gesundheitliche Probleme, die wechselnd den gesamten Körper befielen. Alles in allem also ein Krankheitsbild, das nicht von "normalen" Schulmedizinern eingeordnet werden konnte. Ich verhielt mich nicht wie aus dem Lehrbuch.

Was dachten Sie persönlich, welche Erkrankung Sie haben?

Die Symptome steigerten sich über zwei Jahre so langsam, daß ich nicht die geringste Ahnung hatte, woher meine Beschwerden kamen. An das Spray habe ich dabei gar nicht gedacht. Mir wurde vom Tierarzt ja mitgeteilt, es wäre nicht giftig für Menschen. Ich solle beim Sprühen nur die Lebensmittel sowie Aquarien abdecken, außerdem wäre das Mittel bienengiftig. Es stand kein Warnhinweis auf der Dose, so daß ich gar nicht daran dachte, dieses Mittel könnte mir geschadet haben. Alle Ärzte dachten zuerst an Multiple Sklerose. Diese Diagnose habe ich aber für mich niemals annehmen können, aus welchen Gründen auch immer.

Wie reagierte Ihre Umwelt auf Ihre Probleme?

Die waren geteilter Meinung. Es gab Menschen, die hielten mich für einen Hypochonder und beschimpften mich. Dann gab es andere, die taten alles, um mir irgendwie zu helfen. Viele hörten sich nach Therapiemöglichkeiten für mich um.

In jener Zeit lebte ich schon sehr zurückgezogen, weil ich mich etwas schämte, in meinem Alter - ich war damals knapp über 20 - schon so krank zu sein. Die Werbung suggeriert uns ewige Jugend, Gesundheit und Schönheit. Da schämt man sich dann schon, wenn man dem Idealbild nicht mehr entspricht. Heute sehe ich das nicht mehr als Makel an. Ich bin auch aus diesem Grund an die Öffentlichkeit gegangen. Jeder kranke Mensch sollte sich outen und darüber berichten. Nur so können andere aus unseren Erfahrungen lernen.

Wie haben die Ärzte, die Sie konsultierten auf Ihre Erkrankung reagiert?

Die meisten ziemlich hilflos, muß ich sagen. Anfangs war jeder neue Arzt sichtlich bemüht. Doch als sie mit ihrem Latein am Ende waren und merkten, daß sie mich in keine Schublade packen konnten, was meine Symptomkonstellation betraf, ließen sie mich entweder fallen oder rieten mir, zu einem anderen Arzt zu gehen. Ich war eben kein Fall aus dem Lehrbuch. Meine Beschwerden waren so vielfältig und sehr schwer einzuordnen. Manche dachten sogar, ich wäre psychisch krank. Das wurde ich später auch. Aber nur, weil niemand etwas finden konnte.

Welche Art von Ärzten haben Sie aufgesucht?

Es war so ziemlich alles dabei, was man sich denken kann. Natürlich fängt man beim Hausarzt an. Dann geht es zum nächsten Hausarzt und noch zu einem, bis man dann ins Krankenhaus kommt, wo weitere Untersuchungen durchgeführt werden. Bei meinen Problemen waren es hauptsächlich Neurologen, die zu Rate gezogen wurden. Dann war mal eine Nervenärztin dabei, die sich auf Psychotherapie spezialisiert hatte, ein Urologe usw. Also ich hatte schon einige durch und niemand fand etwas. Ich war angeblich kerngesund.

Was empfanden Sie selbst beim Umgang mit den Ärzten?

Anfangs waren die meisten ganz nett. Mir kam es vor, als wollten sie sich von ihrer besten Seite zeigen und mir (oder sich selbst) beweisen, daß sie nun endlich der Superarzt sind, der meine Symptome einordnen kann. Dabei hatte ich das Gefühl, sie brauchten das für ihr Ego. Als sich dann nach kurzer Zeit herausstellte, daß sie mir nicht weiterhelfen konnten, verloren sie auch das Interesse an mir.

Wie lernten Sie Dr. Braun kennen?

Meine Mutter lernte bei ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit im Krankenhaus eine Frau kennen, deren Sohn bei Dr. Braun in Behandlung war. Der junge Mann hatte eine Amalgamvergiftung und konnte vor Beschwerden kaum noch die Kleidung auf seiner Haut ertragen. Dr. Braun führte eine Ausleitung durch und machte ihn wieder gesund. Dazu hatte Dr. Braun hatte ein Buch geschrieben, das ich mir sofort bestellte. In diesem Schriftstück fand ich mich überall wieder. Seine Ausführungen über chronische Erkrankungen und Vergiftungen waren mir so einleuchtend, daß ich beschloß, mich sofort in seiner Praxis anzumelden.

Was war der Unterschied zwischen ihm und all den anderen Ärzten, die Sie bisher kennengelernt hatten?

Zunächst entdeckte ich keinen Unterschied, außer daß er niemals weiße Kleidung trug und auch die gesamte Praxis in einem warmen Braunton gehalten war. Ganz ehrlich, ich konnte Dr. Braun anfangs überhaupt nicht leiden. Seine ganze Art war mir so fremd. Er war kühl, distanziert und für mich eine Spur zu ehrlich. So ehrlich, daß es mich ärgerte. Er ärgerte mich auch, da er bei mir ständig den Nagel auf den Kopf traf. Ich ärgerte mich darüber, daß er mit allem recht hatte, was mich betraf.

Irgendwann merkte ich einfach, daß ich mich würde verändern müssen, denn es war mein Problem und nicht seins. Als das geschah, verwandelte sich auch unsere Arzt-Patienten-Beziehung. Es war plötzlich ein richtiges Miteinander, statt wie sonst bei den anderen Ärzten ein Gegeneinander. Das meiste mußte ich für meine Gesundheit tun. Dr. Braun blieb eher im Hintergrund und begleitete mich auf meinem Weg. Wenn ich stolperte, fing er mich auf. Er war nur der Wegweiser, gehen mußte ich allein.

Was ihn von anderen Ärzten unterscheidet? Ich glaube, es ist die Liebe, die er für jeden seiner Patienten empfindet. Er nimmt seine Aufgaben sehr ernst, ist fleißig, pünktlich, zuverlässig, nie in Zeitnot (jedenfalls läßt er es die Patienten nicht spüren)... Ja, er hat sogar noch die Zeit dazu für den Patienten etwas aus einer Zeitschrift zu kopieren, wenn er zufällig etwas findet, um es dann in die Krankenakten zu legen. Er denkt auch an seine Patienten, wenn sie gar nicht in der Praxis sind. Und trotzdem kann er sich abgrenzen, damit sie ihn nicht "auffressen". Die Liste seiner Vorzüge gegenüber anderen Ärzten ist schier endlos, das kann ich ohne Übertreibung sagen.

Welche Untersuchungsmethoden wendete Dr. Braun an?

Es gab eigentlich keine großartigen Untersuchungen wie man sie aus der "normalen" Schulmedizin kennt. Natürlich wurde maßgebliches vorab geklärt, z.B. ob mein Gehirn durch meinen Sprüheinsatz Schaden genommen hat. Dazu wurde ich zu einem Spezialisten nach Hamburg überwiesen, der ein SPECT (Single Photon Emission Computer Tomography (Einzelphotonenemissionscomputertomographie)) durchführte. Dabei wird ein radioaktives Kontrastmittel gespritzt, man wird in eine Art von Computertomographen geschoben und scheibchenweise "durchleuchtet". Auf den fertigen Bilder kann man dann erkennen, ob alle Areale des Gehirns richtig durchblutet sind. Bei mir war so weit alles in Ordnung, stellte man fest. Also schien der entstandene Schaden im Zentralen Nervensystem reversibel zu sein.

Welche Diagnose stellte er nach Abschluß aller Untersuchungen?

Die Diagnose lautete CFS (Chronisches Müdigkeitssyndrom) nach vorangegangener Pyrethroidintoxikation und Polyneuropathie.

Wie half Dr. Braun?

Als erstes wurde ich in die "Geheimnisse" der Naturheilkunde eingeführt. Dazu bekam ich Anweisungen von ihm, wie ich mich ab jetzt zu ernähren hatte und welche Lebensmittel ich meiden müßte. Dr. Braun tat generell viel zur Weiterbildung seiner Patienten. Jeder von ihnen sollte für seine Erkrankung eine gewisse Eigenverantwortlichkeit übernehmen. Das war, denke ich, sein oberstes Ziel. Er selbst war eigentlich nur unterstützend tätig.

Natürlich führte er auch Therapien durch, wie Bioresonanz, Schröpfen, Ozontherapie, Chelattherapie usw., doch das wichtigste war letztendlich immer die Mitarbeit des Patienten. Man lernte kritisch zu denken, Dinge zu hinterfragen, sich wieder an den kleinen Begebenheiten des Lebens zu erfreuen.

Auf diesem Weg der Weiterentwicklung begleitete mich Dr. Braun. Ihm ging es nicht allein um das Gesundwerden, sondern um Heilung. Das ist ein sehr großer Unterschied. Gesund bedeutet heutzutage einfach nur: die Abwesenheit von Krankheitssymptomen. Heilung aber ist viel mehr als das. Heilung spielt sich nicht nur auf der körperlichen, sondern auch auf der seelischen, geistigen und sozialen Ebene ab.

Laut WHO ist Gesundheit so definiert: "Gesundheit ist der Zustand völligen körperlichen, geistigen, seelischen und sozialen Wohlbefindens". Ein Zustand, den heute fast niemand mehr erreicht. Für mich ist der Weg dorthin das Ziel. Und wenn ich mich dann irgendwann in völligem Einklang mit mir und der Welt befinde, dann ist es für mich Heilung.

Ging es von da an steil bergauf oder kam es auch zu Rückschlägen?

Anfangs ging es sehr steil bergauf. Die Umstellung meiner normalen Lebensgewohnheiten ließen mich sichtlich besser laufen als zuvor. Auch die Ausleitungstherapien taten ein übriges dazu. Natürlich gab es auch Rückschläge. Die traten aber meistens dann auf, wenn ich meinen neuen Weg wieder verließ, weil ich manchmal zu bequem war auf die Bedürfnisse meines Körpers zu hören. Alkohol, Antibiotika oder Kaffee führten mich des Öfteren in eine erneute Krise, die ich aber wieder überwandt, wenn ich mich wieder mit meinem Körper auseinandersetzte.

Wie haben Sie sich persönlich im Laufe der ganzen Ereignisse weiterentwickelt?

Mit der Zeit änderte sich mein gesamtes Bewußtsein in bezug auf meine Umwelt, meine Mitmenschen, Probleme, die Partnerschaft oder die Familie. Dinge, die mir früher wichtig und heilig waren, spielten plötzlich keine Rolle mehr. Ich fing an vieles zu hinterfragen. Kritisches Denken stellte sich ein. Ich wollte nicht mehr der Menge hinterherlaufen, sondern lebte mein eigenes Leben.

Hat sich Ihr Verhältnis zu Ihrem Ehemann, ihrer Familie, ihren Freunden gewandelt? Und wenn ja, wie?

Mein Mann kam mit meinem neuen Leben nicht sofort klar. Er beschrieb es einmal so: "Als ich Dich kennen lernte, warst Du eine ganz andere Frau als Du es jetzt bist". Und damit hat er recht. Nichts ist mehr so, wie es einmal war. Auf meinem Weg zur Heilung verlor ich viele meiner damals so hochgeschätzten Freunde. Für sie - die eigentlich gar keine waren - fand ich viele neue wieder, auf die ich mich jetzt aber verlassen kann. Wenn man sich so schnell weiterentwickelt wie ich, passen dann plötzlich bestimmte Menschen nicht mehr zu einem. Sie waren meinem Wissensstand nicht mehr angemessen. Ich mußte mich mit Leuten umgeben, die auf der "Karriereleiter" genauso weit waren wie ich.

Mit der Familie gab es anfangs ebenfalls Schwierigkeiten. Plötzlich hatte ich meinen eigenen Kopf, das kannte niemand von mir. Daran mußten sich erst alle gewöhnen. Auch hatte ich plötzlich andere Ansichten als sie. Zum Glück war es aber bei mir so, daß meine Familie sich bemühte, mich zu verstehen. Auch bei ihnen entwickelte sich ein neues Bewußtsein für die alltäglichen Dinge des Lebens. Mein Schicksal hatte auch bei ihnen Spuren hinterlassen.

Wie ist Ihr heutiges Verhältnis zu Dr. Braun?

Sehr gut, möchte ich sagen. Ich bin schon lange nicht mehr seine Patientin. Dafür arbeiten wir jetzt aber sehr gut zusammen. Unsere Beziehung hat sich gewandelt von einer normalen Arzt-Patienten-Beziehung in eine, schon fast partnerschaftlich, freundschaftliche Geschäftsbeziehung. Ich freue mich, einen so guten Arzt als Berater an meiner Seite zu wissen. Schon allein deshalb, weil ich heute Heilpraktikerin bin und jeden Rat von einem "alten Hasen" gut gebrauchen kann. Es ist mein Ziel, soviel wie möglich von ihm zu lernen.

Wie würden Sie im Rückblick die Erfahrungen sehen, die Sie die ganze Zeit über gemacht haben?

Ich freue mich über jede Erfahrung, die ich machen durfte. Und sei sie auch noch so schlecht gewesen. Für mich war jeder Rückschlag ein Zeichen, meinen Weg zu ändern und neu zu überdenken. Ohne meine Erkrankung wäre ich heute nicht da, wo ich jetzt bin. Den Anstoß dazu bekam ich von Dr. Braun. Er hat mich auf den Weg gebracht. Jetzt kann ich ganz allein vorwärts kommen und darauf bin ich mächtig stolz.

Wie haben Sie sich persönlich oder beruflich verändert?

Ich glaube, ich bin sehr selbstbewußt und zielstrebig geworden in den letzten Jahren. Der Drang mich durchzubeißen, ist schier unermüdlich geworden. Für die Durchsetzung meiner Ziele setze ich alles ein. Seit 2000 bin ich selbstständig im Medizingerätevertrieb und seit Januar 2002 bin ich staatlich geprüfte und lizenzierte Heilpraktikerin.

Was machen und wie leben Sie heute?

Heute lebe ich wieder ein ziemlich normales Leben, möchte ich meinen. Was die Ernährung angeht, lebe ich heute wieder ganz locker. Was nicht unbedingt bedeuten muß, daß ich alles unkontrolliert in mich hineinstopfe. Ich achte schon darauf, was ich einkaufe und wie ich es zubereite. Trotzdem überkommt es mich auch ab und zu, so daß ich mich dann plötzlich in einem Schnellrestaurant wiederfinde, mit einem "hässlichen" Burger im Karton und Pommes im Briefkuvert.

Es geht mir immer darum, ausgewogen zu sein, bei allem was ich tue. Übertriebene Vorsicht ist nichts für mich, genau so wenig wie übertriebene Sorglosigkeit. Ein gesundes Maß von allem ist wichtig. Alles, was dogmatisch betrieben wird, ist mir ein Greuel.

Welche Ziele haben Sie für die Zukunft?

Wie gesagt ist für mich der Weg das Ziel - die ständige Bewegung und Weiterentwicklung. Die Arbeit an mir selbst wird niemals enden, dafür werde ich sorgen. Ein Ziel zu haben würde für mich bedeuten, daß alles vorbei ist, wenn ich es erreicht habe.

Ich definiere es etwas anders. Es sind die Wünsche und Bedürfnisse, die mich in Bewegung halten. Auf dem Weg mir diese Wünsche zu erfüllen, kann sich viel neues ergeben, dem gegenüber ich immer aufgeschlossen bin. Wenn mich etwas neues reizt, werde ich den eingeschlagenen Weg verlassen und einen neuen gehen, ohne bestimmtes Ziel.

Mein Wunsch ist es vorerst, eine eigene Praxis zu haben. Schon jetzt haben sich für mich aber wieder neue Dinge ergeben, die ich erst realisieren möchte. Ein kleiner Umweg, möchte ich sagen, der mich aber keinesfalls von meinem Wunsch abbringt. Dieser kleine Umweg scheint mir aber so interessant zu sein, daß ich es mir nicht nehmen lassen möchte ihn zu gehen, bevor mein eigentlicher Wunsch Erfüllung findet. Vielleicht wird sich auch etwas völlig neues ergeben, wer weiß das schon. Der Weg ist für mich das Wichtigste.

Frau Nietfeld, vielen Dank für dieses Gespräch!

 

Buchtip:

Alexa Nietfeld
Verliebt-Verlobt-Vergiftet
Eigenverlag
ISBN: 3-00-009971-9

 

Website: www.verliebt-verlobt-vergiftet.de

Buchbestellungen: http://www.verliebt-verlobt-vergiftet.de/bestellung.html

(c) Astrid Krüger

Ein Hinweis zum Urheberrecht: Sie sind herzlich eingeladen, meine Texte zu lesen. Zum privaten Gebrauch dürfen sie auch ausgedruckt, sowie Bekannten und Freunden zum Lesen gegeben werden.

Jegliche andere Verwendung, Veröffentlichungen, egal in welchem Medium oder der Verkauf, bedürfen allerdings meiner Zustimmung.


Dies ist ein Frame von www.astrid-krueger-medizin.de
Copyright © 2000 - 2012Astrid Krüger. Alle Rechte vorbehalten

eye-print