Astrid Krüger

Interview zum Thema Begleithunde, auch in der Psychologie/Psychiatrie mit vom Verein "Prima Partner Begleithunde für Behinderte e.V. Homburg / Saar".

Frau Scherr, wenn Sie zunächst ein paar Zeilen zu Ihrem Verein, zu Ihrer Tätigkeit dort, zu Ihrer persönlichen Motivation und Ihren Zielen sagen würden. Danke.

1996 ging ich nach USA um mich in der Nähe von Boston in einem Ausbildungszentrum namens NEADS als Trainerin für Behindertenbegleithunde ausbilden zu lassen. 1997 wurde der gemeinnützige Verein Prima Partner gegründet.

Ich bilde für den Verein ehrenamtlich Hunde für körperlich Behinderte und Gehörlose aus. Da ich immer schon aus Freude an der Arbeit Hunde ausgebildet habe, wollte ich endlich meine Passion sinnvoll weiterführen.

Mein Ziel ist, daß der Verein auch nach mir noch viele gute Hunde abgeben kann. Dafür benötigen wir eine Ausbildungsstätte, in der die Hunde untergebracht sind, um dort trainiert zu werden. Aber auch die Behinderten brauchen eine rollstuhlgerechte Unterbringung, um mit ihren Hunden eingeschult zu werden.

Frau Scherr, Sie bilden seit Ende 1997 in Ihrem Verein "Prima Partner Begleithunde für Behinderte e.V. in Homburg/Saar Begleithunde aus, hauptsächlich für Rollstuhlfahrer und körperbehinderte Menschen. Welche Hunde sind für eine solche Ausbildung geeignet? Welche "psychischen Voraussetzungen muß ein Hund mit sich bringen?

Die Hunde müssen natürlich alle wesensfest sein. D.h. sie dürfen weder ängstlich noch aggressiv sein. Sie müssen eine große Beziehung oder auch Liebe zum Menschen haben. Sie müssen Freude daran haben, durch ihr Verhalten dem Menschen zu gefallen.

Am liebsten bilde ich Retriever aus, aber auch alle Rassen oder Mischlinge, die solche Eigenschaften besitzen.

Wie lange dauert die Ausbildung eines Hundes? In welcher Höhe belaufen sich die Kosten und wer übernimmt sie?

Die Ausbildung dauert ca. ein halbes Jahr. Die Kosten eines voll ausgebildeten Hundes belaufen sich auf ca.15.000 DM. Sie werden von keinem Kostenträger übernommen. Wir finanzieren die Hunde und uns hauptsächlich aus Spenden.

In einem Artikel der Berliner Morgenpost las ich vor einiger Zeit, daß in den USA inzwischen auch Hunde ausgebildet werden, die Menschen mit psychischen Erkrankungen unterstützen sollen. Gibt es hierfür auch Ansätze in Deutschland? Wenn ja, wie sehen sie aus?

Es gibt bei uns Ansätze, z.B. werden Hunde mit Erfolg bei Alzheimer Patienten eingesetzt. In der Jugendpsychiatrie gibt es auch schon erste Ansätze.

Ich würde mir wünschen, daß in dieser Richtung noch viel mehr Hunde eingesetzt werden, denn die positive Wirkung auf einen psychisch erkrankten Menschen wird bei uns leider noch unterschätzt.

Welche Vorteile hat es generell, einem behinderten Menschen einen Begleithund zur Seite zu stellen?

Natürlich die konkreten Hilfeleistungen, die ein Hund einem Behinderten geben kann. Aber der psychische Aspekt ist genauso wichtig. Die Behinderten kommen mit anderen Hundebesitzern in Kontakt, der Hund wirkt wie ein Katalysator.

Nichtbehinderte bauen ihre Hemmungen ab und kommen über den Hund mit dem Behinderten ins Gespräch. Der Behinderte kommt durch den Hund aus seiner Isolation heraus. Er wird motiviert mehr zu unternehmen. Durch das Spielen mit dem Hund werden seine Muskeln und Kräfte aufgebaut. Ich glaube, ich könnte eine ganze Seite damit füllen.

Danke für dieses Interview.

 

(c) Astrid Krüger

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