TRICHOTILLOMANIE
Sich an die Haare gehen
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Trichotillomaniker nennen Psychologen Menschen, die sich zwanghaft die eigenen Haare ausreißen - meist das Kopfhaar, aber auch Wimpern, Augenbrauen, Achsel- und Schamhaare werden nicht verschont. Die weithin sichtbare Auswirkung: Haarverlust. Einige Betroffene kauen auch auf den Haaren herum oder essen sie - dies wird dann "Trichophagie" genannt.
Experten schätzen heute, dass In Deutschland bis zu 3,5 Prozent der Menschen unter dieser Störung leiden, meist Frauen. Trichotillomanie kann klinisches Hauptsyndrom sein, aber auch als Folge von Angsterkrankungen, Depressionen, Persönlichkeitsstörungen und Alkohol- oder Drogenmissbrauch auftreten. Diagnostisch wird Trichotillomanie heute meist den zwanghaften "Störungen der Impulskontrolle" zugeordnet - wie bei der Spielsucht, Kleptomanie oder den Essstörungen können Betroffene dem Impuls nicht widerstehen, an den Hauen zu ziehen. Diskutiert wird aber immer noch, ob es sich um eine reine Zwangserkrankung handelt.
Für den Zwang spricht, dass viele Trichotillomaniker die Sinnlosigkeit ihres Verhaltens zwar einsehen, aber nichts dagegen tun können. Zwangsähnlich ist zudem, dass manche der Betroffenen durch das Haareausreißen eine innere Spannung oder Angst mindern und ihnen die "Zwangstat" kurze Momente der Freude, Zufriedenheit oder Erleichterung verschafft. Viele Haarezupfer leiden auch unter Zwangsgedanken.
Gegen die Zwangsdiagnose spricht allerdings, dass sich die Symptome bei Trichotillomanikern über die Jahre meist nicht ändern, während sie bei Zwangsstörungen häufig wechseln.
Obwohl Kliniker in den letzten Jahren die Trichotillomanie intensiver erforscht haben, ist immer unklar, wie diese Störung genau entsteht. Unter biochemischen Vorzeichen scheint der Serotoninstoffwechsel im Gehirn gestört zu sein. Dabei wird eine genetische Basis immer wahrscheinlicher, da im familiären Umfeld häufig Zwänge oder verwandte Symptome wie zwanghaften Daumenlutschen, Nägelkauen oder Kratzen vorkommen. Auch hormonelle Ursachen werden vermutet, da die Störung meist mit Beginn der Pubertät auftritt.
Insgesamt scheinen aber psychologische Prozesse die entscheidendere Rolle zu spielen. So zeigen neue Studien, dass Trichotillomaniker häufig emotional gehemmt, wenig belastbar oder "stressunfähig" sind und gleichzeitig eine hohe Erregbarkeit aufbauen: Trichotillomaniker stehen gewissermaßen so unter "Spannung", dass sie diese nur durch das "Zwangsventil" des Haaresausreißens abbauen können. Eine mit Medikamenten kombinierte Verhaltenstherapie verspricht die höchsten Heilungsraten: Etwa zwei Drittel der Trichotillomaniker berichten von einer entscheidenden Verbesserung.
Astrid Krüger
aus PSYCHOLOGIE HEUTE JANUAR 2002 S.57
Im Internet informiert die Deutsche Gesellschaft Zwangserkrankungen über Behandlungsmöglichkeiten, Literatur und Selbsthilfe bei Trichotillomanie:
www.zwaenge.de/selbsth/zwang6.htm;
weitere Adressen für Betroffene:
www.trichotillomanie.de und
www.tricho.de
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